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Erststudium mit 29 dank Aufstiegsstipendium

23.11.2008

Ja, richtig gelesen: Ab dem Wintersemester 2009 werde ich Medieninformatik an der FH Wiesbaden studieren. Das ist sicherlich ein gewagter Schritt, schließlich verzichte ich auf einen sicheren Job mit fixem Gehalt.

Aber es gibt einige gute Gründe, die mich zu dieser Entscheidung bewegt haben.

Ausschlaggebend war sicherlich, dass ich von der Stiftung Begabtenförderungswerk berufliche Bildung (SBB) des Bundesministeriums für Bildung und Forschung ein Vollzeit-Stipendium bekommen habe. Das sogenannte Aufstiegsstipendium kann jeder bekommen, der seine Ausbildung mit Auszeichnung abgeschlossen hat, über zwei Jahre Berufserfahrung verfügt und noch kein Studium angeschlossen hat. Hat man das Aufnahmeverfahren bestanden, bekommt man monatlich 650 Euro plus 80 Euro Büchergeld als Vollzeitstudent bzw. jährlich 1.700 Euro als Teilzeitstudent.

Mit dem Puffer der Förderung für Vollzeitstudenten im Hintergrund lässt sich zumindest leben, ohne dass wir Probleme mit Kredit- und Versicherungsraten bekommen, sollte Tanja gleichzeitig arbeitslos sein. Als Webworker ist es natürlich einfach, nebenbei zu arbeiten — für meine Chefs ist das kein Problem, als studentischer Angestellter spart man Sozialabgaben und steht im Semester zumindest als halbe Stelle zur Verfügung (Arbeitszeit maximal 20 Stunden pro Woche und in der studienfreien Zeit, soviel man will).

Wenn ich mir den Studienplan so anschaue, sehe ich im Bachelor-Studiengang keine Herausforderung, lediglich Mathe und die Wirtschaftsteile werden sicherlich ein bisschen anstrengend. Ich hoffe auch, dass mir einige Inhalte aufgrund meiner Ausbildung und meiner Berufserfahrung anerkannt werden, zumindest das 5. Praxissemester sollte auf jeden Fall entfallen können, so dass ich fleißig nebenher arbeiten kann.

Die Motivation für das Studium ist natürlich nicht das Studieren um des Stipendiums willen, sondern um meine fachliche Qualifikation zu “verbriefen”. Ich verfüge über ziemlich viel Berufserfahrung für mein Alter und muss mich nicht hinter Kollegen verstecken, die ein abgeschlossenes Informatik-Studium haben.

Gehen wir aber mal 10 Jahre in die Zukunft sehe ich ein Problem mit meiner Berufsausbildung, da diese nur in Deutschland anerkannt ist. Sicherlich ist das kein Problem bei deutschen Firmen, allerdings werden in Zukunft immer mehr Arbeitgeber mit internationalen Personalstandards auf dem deutschen Markt aktiv werden. Dann werde ich ein Problem im Vergleich zu Kollegen haben, die zwar fachlich das gleich können, wie ich, aber es dank ihres Hochschulabschlusses durch das erste Auswahlverfahren der Personaler schaffen. Mit einer Ausbildung wird man zwar nicht aussortiert, aber doch erstmal auf dem “zweiten Bewerberstapel” landen. Sicher, aktuell haben Webworker überhaupt kein Problem, eine Stelle zu finden, aber wer weiß schon, wann der nächste Abschwung in der IT-Branche kommt, und dann möchte ich mir nicht sagen: “Hätte ich doch …”. Und schließlich reden ja auch alle Experten vom lebenslangen Lernen.

Den zweiten wichtigen Grund für ein Studium sehe ich darin, neue Perspektiven eröffnet zu bekommen. Schließlich gehen wir an Herausforderungen im Arbeitsalltag meistens mit altbewährten Lösung herran, für kreative oder radikal neue Ansätze ist eigentlich nie Zeit und / oder Geld da. Von einem Studium verspreche ich mir deshalb eine andere Sichtweise auf die klassischen IT-Themen und natürlich auch einen Schlag neue Leute kennen zu lernen.

Bisher hat sich auch niemand negativ zu meinem Vorhaben geäußert. Tanja freut sich mächtig, mein Vater als alter “Dipl-Ing” ist natürlich schwer angetan, dass der Sohnemann einen Hochschulabschluss bekommt — ich bin auch happry, gerade wenn auch die Chefs so mitspielen wie meine.

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[...] drei Jahren habe ich hier meine Vorstellungen über das bevorstehende Studium aufgeschrieben. Jetzt kann ich auch was dazu [...]

[...] Möglichkeiten aufgezeigt: zur Finanzierung meines Lebensunterhaltes habe ich – neben dem Stipendium – als Freelancer Geld verdient. Heute kann ich mir eigentlich nicht mehr vorstellen wieder [...]

Thesis: 1,0 « Markus studiert! Trackback

16. Juli 2012 | 11:48

[...] – wie in den beiden Jahren zuvor. Auf diese Retrospektive, vor allem im Hinblick auf meine Erwartungen von vor drei Jahren, freue ich mich [...]

[...] mit, war ich bis dahin schon gut 12 Jahre im Geschäft. Deswegen stellte ich mir die Umstellung damals nicht wirklich leicht und vor allem riskant vor. Das ist sicherlich ein gewagter Schritt, [...]

[...] Den Hintergrund, warum ich jetzt noch Anfange zu studieren, habe ich hier erläutert: Erststudium mit 29 dank Aufstiegsstipendium [...]

Jim Kommentar

10. November 2009 | 17:35

Die wollen im 3. Semester jetzt “Narzissmus-Informatik” einführen. Das kannste dir bestimmt anrechnen lassen.

Junge, so kann man sich doch nicht darstellen…

Sven Kommentar

9. November 2009 | 17:10

Bin auch aus einem höheren Semester und gerade mehr oder weniger zufällig auf die Seite hier gestoßen.

Kann mich da Kai nur anschließen. Ich kam genauso wie du mit “Webkenntnissen” an die HS und meinte auch das mir bis auf Mathe nichts passieren kann. Tja, Mathe ist verglichen mit der Programmierausbildung und theoretischer Informatik ein Witz. Du wirst merken das dort der Schwerpunkt liegt und dort ganz andere Anforderungen auf dich zukommen wie in nem kleinen Kommentar oder Blogskript (sowas macht man bzw im dritten Semester mal eben als Übungsaufgabe). Also erstmal ins fünfte Semester kommen, in Proggen 1-3, Theorie und Betriebssysteme ne 1 haben, dann kannste das “keine Herausforderung” da oben fett unterstreichen… wenns dazu überhaupt kommt :)

Markus Tacker Kommentar

14. September 2009 | 18:53

Danke jedenfalls für deine Meinung, die ich gerne zu Herzen nehme.
Je tiefer ich auf den sprichwörtlichen “Boden der Tatsachen” falle , um so mehr wird mich das Studium weiter nach vorne bringen — und das ist ja der Sinn und Zweck, warum man sich weiter bildet!

Kai Kommentar

14. September 2009 | 13:56

Ich studiere auch Medieninfo an der FH-Wiesbaden.
Wie gesagt, die von dir vertretene Meinung hier,ist so alt wie das Studium selbst. Wenn du dir in einem Jahr (vorausgesetzt, du bist bis dahin immer noch am studieren) deinen Beitrag nochmal durchlesen wirst, wirst du verstehen, was ich meine.

Markus Tacker Kommentar

14. September 2009 | 12:33

@Kai: Hast Du Informatik studiert? Diplom oder Bachelor?

Kai Kommentar

14. September 2009 | 12:14

Hi,
ich will dir nicht ganz den Wind aus den Segeln nehmen, aber deine Meinung ist imho etwas überheblich. Die Sprüche wie: keine große Herausforderung, evtl. Mathe ein bisschen etc. hört man jedes Jahr von den Erstsemestern. Das sind meist genau die, welche kurz darauf wieder abbrechen.
Deine Ausbildung wird dir, kurz gesagt, nichts nützen, weil sie keinen wissenschaftlichen Anspruch hat. Es ist diese typische Meinung aus dem Phrasendrescher-Handbuch: Jemand hat mal ein bisschen was zu Skriptsprachen gemacht und kann ne Webseite bauen, also ist er gleichzusetzen mit einem Informatiker:-/
Du lernst im Studium weniger Praxis, sondern vielmehr Grundlagen: Du wirst mathematische Grundlagen vermittelt bekommen, von denen du (selbst mit Mathe im ABI-LK) noch nie was gehört hast, und ein Verständnis für Probleme in der Informatik, mit denen du wahrscheinlich im “Arbeitsalltag” kaum wieder konfrontiert sein wirst.
Ich vergebe keine Ratschläge, aber meiner Erfahrung nach ist etwas Demut meist besser, als mit Hochmut in ein Studium zu gehen. Schon alleine deswegen, weil dein Vergleich mit jemand “mit abgeschlossenem Informatik-Studium” zeigt, dass du dich noch nicht tiefer mit der Materie auseinander gesetzt hast.
Spätestens im 1.-2.Semester werden dir die Profs (die haben auch ein abgeschlossenes Informatik-Studium) aber den Zahn schon ziehen:-)

Markus Tacker Kommentar

17. Dezember 2008 | 20:37

Hoi Seba,

Der Schwerpunkt liegt auf Informatik, die Gestaltung gibt es „so dazu“.

das hoffe ich doch schwer. Gestaltung hatte ich während der Ausbildung genug, und schließlich gibt es dafür immer Kollegen in der Kreation, die das einfach viel besser können.

Seba Kommentar

17. Dezember 2008 | 19:56

Wenn man länger aus Mathe raus ist oder bestimmte Inhalte noch nicht hatte, kann Analysis recht anstrenged werden. Und Grundlagen der Signalverarbeitung (bzw. Elektrotechnik) ist … nun … ja – eine Sache für sich.
Mit PHP-Kenntnissen dürfte der Einstieg in Java ein Klacks für dich sein.

Ich bin momentan im 1. Semester und mir machts Spaß.^^ (Bisher hatte ich auch noch keine Klausur. Mal schauen, was ich dann sage.)

Man darf nur nicht mit falschen Erwartungen hingehen: Der Schwerpunkt liegt auf Informatik, die Gestaltung gibt es „so dazu“.

Ich hoffe, es wird dir gefallen!

(Auf der Suche nach bloggenden Mitstudenten bin ich hier gelandet.)

Eve Kommentar

1. Dezember 2008 | 01:47

Gratulation! Tolle Neuigkeiten. Sich die lange verdienten Lorbeeren zu holen ist fast nur noch eine Formalität. :-)
Super, dass dein Arbeitsumfeld mitspielt. Das wird spitze…

Deine Schwester Kommentar

27. November 2008 | 08:39

Hallo mein schlauer Bruder! Von mir und Olli kommen auch die allerbestern Glückwünsche!!! Ich bin sooo stolz auf Dich und freu mich riesig für Dich.
Wenn DU nicht studieren gehst, dann ist das echt verschwendetes Talent. Warscheinlich könntest Du in der Vorlesung nebenbei arbeiten und würdest trotzdem noch beste Noten schreiben :-)
Auf das der Wissensdurst niemals endet!!!
Viel Erfolg beim Studieren!

Jay Kommentar

25. November 2008 | 22:07

Meinen Glückwunsch zum Stipendium und Respekt vor Deiner mutigen Entscheidung! Ich stand letztes Jahr vor der selben Wahl und habe mich ebenfalls nochmal fürs Studium entschieden und auch wenn das Geld permanent knapp ist, so war es die richtige Entscheidung. Auch wenn Du erst nächstes Jahr beginnst: Willkommen im Kreis der Studenten! :-)

http://m.tacker.org/blog/1574.erststudium-mit-29-dank-aufstiegsstipendium.html